Tierschutz Euskirchen e.V.
 

Pucky und Filou

 


Am 12.12.2015 besuchen wir die Auffangstation vom Tierschutz Euskirchen. Eine schwarze Katze empfängt Matthias sofort mit dem Katzengruß Näschen Näschen. Ich glaube sie hat sich Matthias jetzt schon ausgesucht. Es ist Pucky, eine dreijährige schwarze Schönheit, die hier zusammen mit ihrer elfjährigen Freundin Filou lebt. Filou ist eine sogenannte Glückskatze, die momentan vom Glück verlassen scheint. Sie versteckt sich traurig in ihrer Höhle.

Die nette Dame vom Tierschutz legt uns die beiden sieben Monate alten Kater Kalli und Edgar wärmstens ans Herz. Es sind echte Jungspunde und zu jedem Schabernack bereit. Das merken wir auch als wir einige Tage später noch einmal zu Besuch kommen. Die beiden Kerle machen sich einen Spaß daraus Filou im Vorbeihuschen einen kleinen Tatzenhieb zu geben. Die arme alte Dame ist zu unglücklich, um sich zu wehren. - Jetzt ist unsere Entscheidung endgültig gefallen: Pucky und Filou sollen bei uns ein neues Zuhause bekommen.

Schnell werden die vorsorglich mitgebrachten Transportboxen geholt. Die ersten Katzen, die in den Boxen liegen, sind die beiden kleinen Racker. Ganz nach dem Motto: Okay, wir sind zur Abfahrt bereit! Von uns aus kann es losgehen … Aber so haben wir nicht gewettet und deshalb werden die Katzen umsortiert. Und weil die beiden Halbstarken nicht mit dürfen, bekommt Filou noch schnell durch die geschlossene Türe der Transportbox eins auf die Nase. Das ist wirklich nicht nett.

So machen wir uns möglichst zügig auf den Weg in das neue Zuhause. Pucky erzählt die ganze Fahrt lautstark etwas, was wir nicht so ganz verstehen. Aber vielleicht weiß Filou, die Pucky die ganze Zeit fest im Blick hat, ja was sie meint.

Und so ziehen Pucky und Filou am Mittwoch, den 16.12.2015 bei uns ein. Zunächst können sie das Wohnzimmer und das ehemalige Esszimmer ihr eigen nennen. Pucky weiß vor Glück nicht wie ihr geschieht. Ihr Schnurren erfüllt den ganzen Raum. Sie schnurrt in allen Tonlagen und manchmal überschlägt sich ihre Stimme. Sie geht auf Entdeckungstour, dann springt sie zu uns auf das Sofa und lässt sich beschmusen. Plötzlich rennt sie zu Filou, die lieber erst mal Schutz unter dem Sofa gesucht hat. So schnell wie Pucky kann Filou den ganzen Stress der letzten Zeit nicht ablegen. Erst der Verlust ihrer geliebten Menschin, der Einzug in die gemischte WG beim Tierschutz, der sie vor vielen Jahren an ihre Menschin vermittelt hatte, und die immer aufdring¬licher werdenden Kater, bei denen ihr durch ihre Trauer die Kraft fehlt, sich Respekt zu verschaffen. Auch ihre Freundin Pucky konnte ihr dabei nicht helfen.
 

Um so mehr bemüht sich Pucky nun zu erzählen wie vielversprechend das neue Zuhause ist. Es scheint, als ob sie ihre alte Freundin immer wieder ermutigen will, sich mal unverbindlich umzu-schauen. Doch noch hängt Filous Stress förmlich in der Luft. Pucky beschließt, die erste Nacht tröstend an Filous Seite unter dem Sofa zu verbringen. Als dann die neuen Menschen auf dem Bauch vor dem Sofa liegen und Filou liebevoll kraulen, sieht die Welt schon nicht mehr ganz so traurig aus, so dass es Filou sogar schon ein erstes leises Schnurren entlockt … Lass uns erst mal die Nacht darüber schlafen, morgen sieht die Welt dann vielleicht schon wieder ganz anders aus.

Auch am ersten Morgen im neuen Heim übernimmt die mutige Pucky das Kommando und kommt uns wecken. Zeit fürs Frühstück. Artig folgen wir ihrem Ruf und bereiten das Frühstück. Pucky stürzt sich darauf und man kann hören, dass es ihr schmeckt. Für Filou regiert immer noch der Ausnahmezustand und so fühlt sie sich nur in ihrer großen Höhle unter dem Sofa wohl. Deshalb bekommt sie ausnahmsweise das Frühstück in der Höhle serviert. Doch schon am gleichen Abend folgt Filou Puckys Aufforderung zu einem ersten kleinen Rundgang durch die beiden „freigege¬benen“ Zimmer.

Am nächsten Tag übernimmt Filou bereits den Weckdienst der Dosenöffner. Schritt für Schritt wird die Wohnung erkundet - am liebsten am späten Nachmittag und am liebsten zu zweit. Echte Freunde sind für einander da und machen eben alles zusammen. Bald ist das Eis gebrochen und schon am folgenden Sonntag gesellt sich Filou abends zu uns aufs Sofa und genießt die Streichel-einheiten. - Wie wäre es, wenn wir das jetzt jeden Morgen und Abend machen? Filou scheint der Gedanke zu gefallen.

Für die beiden Freundinnen beginnt ein neues Abenteuer. Filou ist die weise Dame, die alles genau beobachtet und immer wieder kontrolliert, ob alles in Ordnung ist - z.B. auch, ob ihre neuen Menschen rechtzeitig aufsehen - und Pucky ist die große Entdeckerin, die mit unbändiger Neugier alles Neue erforscht. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team.

Durch Pucky wird auch Filou wieder zur Entdeckerin, lässt sich zum spielen verleiten und findet sogar an der Verfolgungsjagd durch die Zimmer Gefallen. Gemeinsam wird die untere Etage erobert, der Keller erforscht und schließlich öffnen sich auch noch die Pforten zur oberen Etage. Ein Eldorado für Entdecker! Pucky flitzt die Treppe hinauf und rennt von einem Raum in den anderen. Das muss das Paradies sein - und Filou muss es unbedingt auch kennenlernen! So flitzt Pucky wieder nach unten, um Filou abzuholen. Jetzt gibt es auch für Filou kein Halten mehr. Zwei Kumpelinen auf Entdeckungstour. Die Jagd um die Hifi-Boxen beginnt. Anschließend werden die einzelnen Räume genauestens unter die Lupe genommen. Zwischendurch schauen die beiden immer wieder mal kurz bei uns vorbei, huschen aber so schnell wie möglich wieder nach oben, damit nichts verpasst wird. Ein Traum -  lass in bitte nie enden ….

Es gibt hier ungeahnte Möglichkeiten für Forscher, Entdecker und Genießer, man denke nur an all die kuscheligen Schlafplätze. Jetzt ist allerdings nur Zeit für ein kurzes Probeliegen. Schlafen kann jetzt noch keiner.

Am späten Abend ertönt im Flur plötzlich Kampfgeschrei einer großen Jägerin. Pucky hat den Federschmuck einer selbstgemachten Büste eines Indianer-Ponys erlegt und bringt uns stolz ihre erste Beute als Geschenk. Erst Kampfgeschrei, wie es sich für eine richtige Jägerin gehört, und dann wir von der Jagd erzählt. Pucky ist eine Erzählkatze.

Heute haben die beiden Freundinnen so viel erlebt - das macht müde. Die Empfehlung: Ihr würdet mit einen Gefallen tun, wenn ihr den neuen Kratzbaum mit dem Schlafthron und der gemütlichen Schlafhöle benutzt, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, schlussendlich aber ignoriert. Der Familienzuwachs hat eine bessere Idee: Vielleicht ist ein kleines Nickerchen im Bett jetzt nicht schlecht …

Gerade mal eine Woche im neuen Zuhause und es ist schon so viel passiert und morgen ist ein neuer Tag mit neuen Abenteuern. Besonders die frische Luft kitzelt in der Nase und der Garten sieht so vielversprechend aus …

Bald steht der Jahreswechsel an und Filou und besonders Pucky scheinen zu spüren, dass es nicht nur ein Start in ein neues Jahr sondern auch ein Start in ein neues Leben sein wird. Die beiden ehemaligen Wohnungskatzen sollen so bald wie möglich ihre Freiheit genießen können. Dazu ist aber zuvor ein Besuch beim Tierarzt und die notwendigen Impfungen unvermeidlich. Pucky sieht das anders und protestiert lautstark - auf der Hinfahrt, im Wartezimmer und auch auf der Rückfahrt. Nur im Behandlungszimmer ist sie etwas versöhnlicher gestimmt, als sie auch dort auf Entdeckungstour gehen darf. Neugier lässt halt über vieles hinwegsehen.

Wieder zuhause angekommen, sind alle Unannehmlichkeiten schnell vergessen und das Indoor-Revier muss schnellstens kontrolliert werden. Der Outdoor-Bereich wird fast immer hermetisch abgeriegelt. Dabei ist er doch so reizvoll. Trotz des ständigen Bittens und Bettelns darf Pucky noch nicht raus. Das gefällt ihr überhaupt nicht und sie protestiert lautstark.
Das Öffnen von angelehnten Zimmertüren fällt Pucky und Filou schwer, schließlich hatten sie ihren bisherigen Dosenöffner auch erfolgreich zum Türöffner erzogen, aber die Chance der nur für einen Moment geöffneten Terrassentüre erkennt Pucky sofort. Ihr Freiheitsdrang ist so groß, dass sie nach draußen entwischt. Sie will über die Seerosenblätter der Wohlstandspfütze (kleiner Teich vor unserem Wohnzimmerfenster) huschen und muss erkennen, dass es nicht jedem gegeben ist über Wasser zu laufen. Sie katapultiert sich sofort wieder an Land und rennt patschnass und schimpfend wieder ins Haus. Filou ist sofort zur Stelle und sieht nach, ob ihre Freundin Hilfe braucht. Filou schätzt die Situation aber gleich richtig ein und gibt Entwarnung. Denn es war sozusagen Puckys vorgezogener Rutsch ins Neue Jahr. Ich habe das Gefühl, es könnte ein spannendes Jahr werden!